Dexpleen – Popfest
23. Juli 2026, 21:00–22:00
Dexpleen – Popfest
23. Juli 2026, 21:00–22:00
„Tell me what to do“, fragt Dexpleen im Refrain eines Songs namens „I Lost Myself“, „when you don't know who you are anymore“. Mit Texten wie diesen, die um das Thema Identität weniger kreisen als es frontal (aber sanft) attackieren, will Dex „die Lücke der Repräsentation in der Musikindustrie“ füllen. Die Musik dazu ist getragen von breiten, klaren Klavier- und Gitarrenakkorden, deren Intensität sich in beinahe Gospel-artiger Dynamik steigert. Vielleicht ist es genau das, was der Musik von Dexpleen – trotz dem textlichen Hang zur ersten Person Singular – ihr gemeinschaftliches Feeling verleiht: „queere Liebeslieder – Hymnen der Liebe und Sehnsucht mit Authentizität und unapologetischem Stolz“, wie es der Info-Text ausdrückt, die „einen sicheren Hafen bieten für all jene, die Zuflucht suchen.“
Dexpleen ist noch jung, machte aber schon mit sechs Jahren Musik und gewann 2019 den Songwriting-Contest der Vienna Songwriting Association, dann zwei Jahre darauf den Do-nauinselfest-Contest. Doch es bedarf eigentlich nicht einer Jury, um Dex' Talent zu bemer-ken.
Als Einflüsse werden Coldplay, Tom Odell, Queen und Girl in Red genannt, aber von all den Referenzen scheint die letzte die vielsagendste, denn so wie jene norwegische Indie-Singer-Songwriterin pflegt Dex in den Songtexten eine unverblümte Direktheit. „How many times did I tell you I'm fucking fine without you?“, heißt es etwa in „Back To You“, einem Song über kontrollierende Beziehungen (es könnte auch elterliche Kontrolle sein). Unter der sensiblen Verwundbarkeit liegt hier ein nicht zu unterschätzender, entschlossener Kern.
Text von Robert Rotifer / Popfest Wien
Abbildung von Dexpleen © Diana-Mühlberger
