Robert Stadlober – Popfest
25. Juli 2026, 21:00–22:00
Robert Stadlober – Popfest
25. Juli 2026, 21:00–22:00
Wer irgendwie links sozialisiert und mit den Werken des jüdisch-deutschen Satirikers Kurt Tucholsky aufgewachsen ist, wird seine Texte mit dem schwülstigen Gestus des alten Arbeiter-Carusos Ernst Busch oder ähnlich bedeutungsschwanger deklamierenden Epigonen assoziieren.
Nicht länger, hier endet das Trauma! Mit „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“, seinem Album neuer Tucholsky-Vertonungen, gefolgt von der EP „Küsst die Faschisten“, hat Robert Stadlober den vordefinierten Klang der Sprache des großen politischen Dichters der Weimarer Ära grundlegend völlig neu erfunden.
Nicht nur, dass er dessen historische, antifaschistische Lyrik erfolgreich vom moralistischen Mief befreit hat. Ihr neues Kleid semiakustischer Indie-Balladen der Post-Velvet-Underground-Schule lässt Tucholskys Sprache gleich ganz mühelos und unausweichlich kontemporär wirken; sei es die Kritik des Eskapismus in „Zuckerbrot & Peitsche“ („In eurer Kunst ist keine Faust“) und „An das Publikum“ („Jeder Filmfritze sagt: 'Was soll ich machen? Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!'“) oder seine Kritik an der feigen Kalmierung als vermeintliche Alternative zum Widerstand in „Küsst die Faschisten“ („Und prügeln sie, so lobt den Herrn. Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft! Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft“, ursprünglich aus „Rosen auf den Weg gestreut“, 1931).
Nun ist zwar noch nicht klar, ob die Wiederentdeckung Kurt Tucholskys die aktuelle Wiederkehr des Faschismus wegmachen kann, die Möglichkeit, daran zu glauben, ist dennoch überlebensnotwendig.
Text von Robert Rotifer / Popfest Wien
Abbildung von Robert Stadlober © Lars Dreiucker
